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In der logopädischen Therapie von Menschen im Wachkoma nimmt die individuelle Begleitung und Versorgung mit einer adäquaten Trachealkanüle und den dazu gehörigen Hilfsmitteln einen
großen Stellenwert ein.
Das begründet sich durch folgende, veränderte anatomische Verhältnisse: Das Ein- und Ausatmen verläuft nicht mehr wie ursprünglich durch die Nase und den Mund, passiert dann den
Rachen und Kehlkopf, um den Weg durch die Luftröhre in das Bronchial- und Lungensystem zu finden. Der Gasaustausch verläuft nun durch die Trachealkanüle und einen Teil der Luftröhre in
das Bronchial- und Lungensystem.
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| Schema des Kehlkopfes ohne und mit Tracheotomie |
Das Legen einer Trachealkanüle kann durch verschiedene Umstände notwendig sein (z. B. Atemluft sicherstellen, Einengungen in der Luftröhre, schwere Schluckstörungen etc.). Die Tatsache, über eine Trachealkanüle ein- und auszuatmen, gewährleistet einen kürzeren und effektiveren Weg des Gasaustausches, da die o. g. Bereiche nicht durchlaufen werden müssen. Hierin liegt einerseits ein Vorteil, andererseits aber auch ein Nachteil. Aufgrund des nun fehlenden Luftstromes durch Nase, Mund, Rachen und Kehlkopf entstehen Sensibilitätsstörungen, weil der ständige Reiz der Atemluft in diesen Bereichen fehlt. Hinzu kommt, dass die Aufgaben der Nase (filtern, erwärmen und anfeuchten der Atemluft) wegfallen. Dieser stetige Abbau von Sensibilität führt dazu, dass Fremdkörper nicht mehr gespürt werden und der Sekret-Abtransport eingeschränkt wird. Das wiederum hat zur Folge, dass motorische Reaktionen wie Schlucken, Räuspern und Husten ausbleiben. Wir sprechen daher von einer so genannten Totraumfunktion oberhalb der Trachealkanüle. Riechen und Schmecken sind ebenfalls massiv eingeschränkt. Da die Ausatemluft nun nicht mehr auf die Stimmbänder trifft, ist das Sprechen zunächst nicht mehr möglich. Das stellt eine emotionale Belastung dar.
- Fremdkörpergefühl,
- Borkenbildung in der Luftröhre, Bildung von überschüssigem Gewebe an Stomaöffnung und Luftröhre,
- Blutungen,
- Entzündungen, Reizungen,
- nasses Tracheostoma,
- starke Schleim- und Sekretbildung, bis hin zum Dekubitus in der Luftröhre.
Ein gutes Trachealkanülenmanagement entscheidet darüber, ob lebensbedrohliche Keimverschleppung bis hin zu Lungenentzündungen reduziert werden können.
Logopäden können somit im Rahmen eines individuellen, patientengerechten Trachealkanülenmanagements auf eine adäquate therapeutische Versorgung einwirken und Pflegekräften, Angehörigen und Ärzten beratend zur Seite stehen.
Folgend lesen Sie Notwendigkeiten, die sich aus meiner Arbeit mit den vielfältigen Erfahrungen und meinem Fachwissen ergeben haben.
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Hinsichtlich des Kanülenmodells und den entsprechenden Hilfsmitteln bedarf es der Kraft aller im Team arbeitenden Menschen, dass diese sensibel beobachten, sich interdisziplinär austauschen und dementsprechend handeln. Das richtige Kanülenmodell zu finden bedeutet auf die Suche zu gehen, denn in den seltensten Fällen ist das in der Akutphase gelegte Kanülenmodell langfristig noch patientengerecht.
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Eine individuell ausgewählte Kanüle erfüllt Kriterien wie guten Tragekomfort, ausreichenden Gasaustausch, Schutz vor Aspiration durch eine Blockung und entscheidet maßgeblich über Reduzierung von Reizungen an der Luftröhre und/oder der Stomaöffnung, sowie über das Sekretaufkommen.
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Viele Menschen im Wachkoma tragen eine geblockte Kanüle, die meistens einen wöchentlichen Wechsel notwendig macht (bei starkem Sekretaufkommen ggf. häufiger). Zwischen den Wechseln ist jedoch das regelmäßige Entfernen des Sekretaufstaus oberhalb der Blockung wichtig, damit diese Keimherde nicht zu Folgeerkrankungen führen. Im Pflege-/Therapeutenteam muss dieses Management zeitlich abgestimmt werden.
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Die Liegedauer einer Kanüle von nicht selten 28 Tagen ist unverantwortlich, weil das Keimaufkommen ein großes Maß erreicht und ebenfalls Folgen wie Infektionen und Lungenentzündungen begünstigt.
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Tragen Menschen geblockte Kanülen, macht das Reinigen und Desinfizieren keinen Sinn, weil die Blockung porös wird und somit der Schutz der unteren Atemwege vor Aspiration durch Sekret und Speichel nicht mehr gewährleistet ist. Folglich sind geblockte Trachealkanülen Einmalartikel!
Diese Tatsache gilt es gegenüber Kostenträgern immer wieder deutlich zu machen, z. B. durch fachliche Darstellung mithilfe eines Berichtes des behandelnden Logopäden.
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Des weiteren wird die Auswahl an Hilfsmitteln rund um die Trachealkanüle mit darüber entscheiden, ob Folgeerkrankungen vermieden werden können. Das gilt besonders für die Beobachtung der Stomaöffnung und der Umgebungshaut. Zur Pflege haben sich hier besonders Schaumstoff-Kompressen (im Gegensatz zu Metallinen-Kompressen) bewährt, die nicht mit der Haut verkleben, viel Sekret aufnehmen und Schäden an der Haut verhindern. Denn Ziel ist ein möglichst trockenes und reizloses Stoma.
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Dem Absaugen mit schleimhautschonenden, a-traumatischen Kathetern kommt im Rahmen der Hilfsmittelversorgung eine ebenso wichtige Rolle zu wie das Verwenden eines Cuffdruckmessers zum Blocken einer Trachealkanüle. Vielfach werden hierfür leider immer noch Spritzen verwendet.

PRIM-AIR® FLOW Modell Bad Aibling (feuchte Nase) | | Feuchte Nasen mit Schaumstoff übernehmen das Filtern, Erwärmen und Anfeuchten der
Atemluft besser als die herkömmlichen mit Papiereinsatz. Das Verwenden von dick gepolsterten Haltebändern minimiert die Gefahr des Abschnürens von Blutgefäßen im Hals-Nacken-Bereich.
Es wird also deutlich, wie wichtig das fortlaufende Optimieren des Trachealkanülen-managements ist, eine Logopädin kann hierbei beratend zur Seite stehen.
In der logopädischen Therapie bei tracheo-tomierten Menschen kommen des weiteren Übungen zur Verbesserung der Motorik und Sensi-
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bilität im facio-oralen Bereich, sowie für den Rachen und Kehlkopf zum Tragen. Für manche Wachkomapatienten wird das Training mit einem Sprechventil möglich sein, das durch Atemtherapie begleitet wird.
Durch ein Sprechventil kann die Ausatemluft den Kehlkopf-, Rachen-, Mund- und Nasentrakt passieren, die Abschnitte gut belüften und eventuell eine Stimmbildung ermöglichen.
Perspektivisch muss abgewägt werden, ob im Rahmen der logopädischen Therapie das Training von einer geblockten Trachealkanüle hin zu einer ungeblockten Kanüle erfolgen kann. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Patient seinen eigenen Speichel regelrecht schlucken kann. Erst dann kann das Blocken einer Kanüle als Aspirationsschutz entfallen. Die enge Absprache zwischen Logopädin und Arzt spielt hierbei eine zentrale Rolle, denn das Umstellen auf eine ungeblockte Trachealkanüle erfolgt immer schrittweise und in einer gewissenhaften Vorgehens-weise. Ist letztendlich das Tragen einer nicht geblockten Kanüle möglich, gilt auch hier der Einsatz von feuchten Nasen, um die Atemluft zu filtern, zu erwärmen und anzufeuchten. Ungeblockte Trachealkanülen können gereinigt und desinfiziert werden, weil ihr Material dementsprechend beschaffen ist. Man beachte hierbei, dass die Liegedauer der Kanüle im Reinigungsbad nach den Hinweisen der Herstellerfirma erfolgen muss. Häufig ist zu beachten, dass die Trachealkanüle viele Stunden in der Desinfektionslösung liegt. Der Kanülenwechsel richtet sich ebenso wie bei geblockten Trachealkanülen nach der Höhe des Sekretaufkommens und nach seiner Beschaf-fenheit. Meistens ist der Wechsel und die Reinigung der gesamten Kanüle nach 2 bis 3Tagen ausreichend. Die Innenkanüle ( Seele ) muss jedoch täglich, ggf. mehrmals gereinigt werden. Ein verwerfen der gesamten Trachealkanüle wird meistens nach 2 bis 3 Monaten erforderlich.
Bildnachweis: Firma Heimomed Heinze GmbH & Co. KG, Verwendung mit freundlicher Genehmigung
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