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Therapie

Therapien bilden einen wichtigen Punkt im Leben von Menschen im und nach Wachkoma. Eine in dieser Hinsicht gute Versorgung ist Voraussetzung für ein Herausarbeiten aus dem Wochkoma. Und auch im Wachkoma bilden sie die Grundlage, eine Verschlechterung zu verhindern und eine Lebensqualität zu sichern, die unter den gegebenen Umständen möglich ist. Sie finden hier eine Überblick über verschiedene therapeutische Ansätze, ihre grundlegende Vorgehensweise sowie Kriterien, wann sie adäquat angewendet werden.

 
 

Therapie und Pflege werden oftmals als getrennte Bereiche verstanden, sie bilden jedoch, insbesondere in der Langzeitversorgung, einen engen Zusammenhang. Gute Erfolge wird man nur erreichen, wenn hier eine interdisziplinäre Zusammenarbeit stattfindet. Einige ursprünglich therapeutische Techniken werden auch in der alltäglichen Pflege benötigt, z.B. Lagerung nach Bobath, Basale Stimmulation, therapeutische Mundpflege, assistiertes Essen. Ihre Kenntnis macht einen guten Teil der zusätzlichen Fachqualifikation "Pflegeexperte für Menschen im  Wachkoma" aus.

Die Therapieformen für Wachkomapatienten sind vielfältig. Man kann zwischen "klassischen" oder schulmedizinischen Therapieformen, dazu gehören Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, und  ergänzenden Therapieformen, dazu gehören  Hippotherapie (oder generell Tier-gestützte Therapie), Musiktherapie, Wassertherapie und weitere, unterscheiden. Erstere sind als Heilmittel anerkannt und werden von den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen vorgegebener Kostengrenzen finanziert. Letztere müssen meist außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Das bedeutet keineswegs, dass sie unwichtig oder unwirksam wären. Im Gegenteil, anerkannt gute Rehabilitationskliniken nehmen solche ergänzenden Therapieformen in ihr Angebot auf. Teilweise werden sie auch unter dem Dach eines der klassischen Therapieformen eingesetzt.

Das gemeinsame Ziel aller Therapieformen besteht darin, einen größtmöglichen Grad der Selbständigkeit zu erreichen.

Die großen Drei

Die drei genannten klassischen Therapieformen bilden zweifellos das Rückgrat einer therapeutischen Versorgung. Bei einer guten Versorgung wirken sie interdisziplinär zusammen.

Was leistet Physiotherapie?

Physiotherapeuten können sicher keine Wunder vollbringen, aber sie können helfen und begleiten auf dem langen Weg in Richtung auf eine relative, individuelle Selbständigkeit.

Aus unserer jahrelangen Erfahrung in der Therapie mit Wachkomapatienten können wir sagen, dass den Patienten nicht eine spezielle Therapieform zugeordnet werden kann. Vielmehr ist es die „gesunde“ Mischung aus allen Bereichen, welche dann auf den einzelnen Patienten abgestimmt wird. Es muss individuell herausgefunden werden, welche Form der Anwendung für den Patienten im Wachkoma gewinnbringend eingesetzt werden kann.

Dazu müssen wir uns als Therapeuten folgende Fragen stellen:

  • Reagiert unser Patient mehr auf taktile Reize, oder mehr auf auditive Reize, oder mehr auf visuelle Reize?
  • Mit welcher Kombination der Reize kommen wir weiter? Das heißt, wie müssen wir den Patienten anfassen (fest oder sanft), ansprechen (laut oder leise) und wieviel und was soll er sehen?

Auf dieser Basis werden dann unterschiedliche Methoden der Physiotherapie eingesetzt.. Aus dem Bereich der speziellen Techniken sind folgende zu nennen:

  • das Bobath-Konzept
  • Weichteildiagnostik und –behandlung nach Cyriax
  • Orthopädische Manuelle Therapie
  • Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation
  • Vojta
  • Schlingentisch
  • Craniosacrale Therapie
  • Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach

Zu dem Bereich der Massage- und Reflexzonentherapien zählen unter anderem: 

  • Klassische Massage
  • Lymphdrainage
  • Unterwassermassage
  • Kolonbehandlung
  • Bindegewebsmassage
  • Reflexzonentherapie am Fuß

Dazu kommen noch die:

  • Hydro- und Balneotherapie
  • Thermotherapie
  • Elektrotherapie

Ziel der Physiotherapie ist die Verbesserung bzw. Erarbeitung einer physiologischen

  • Tonusanpassung
  • Gelenkbeweglichkeit
  • Kopfkontrolle
  • Rumpfkontrolle / Sitzhaltung

Dazu kommen weiterhin die Verbesserung und Erarbeitung

  • der Willkürmotorik
  • eines eventuell anfallenden Transfers, insbesondere zwischen Bett und Rollstuhl

Was kann Logotherapie?

Der Begriff „Logopädie“ legt nahe, dass der Gegenstand dieses Heilberufes die Diagnostik und Therapie von Störungen der Stimme, der Sprache und des Sprechens ist. Damit ist gewiss der Kernbereich der Logopädie angesprochen. Diese Aufgabenstellung dominiert auch in der Kindertherapie, in der es vor allem um die Behebung von Störungen des Sprechens (Stammeln, Lispeln, Stottern) und um das Aufholen von Rückständen in der Sprachentwicklung geht. Auch in der Aphasietherapie bei vorwiegend erwachsenen Patienten steht die Wiedererlangung von Sprache und Sprechfähigkeit im Mittelpunkt.

Dieses im Allgemeinwissen verankerte Bild der Logopädioe beschreibt ihren Wirkungsbereich nur sehr unvollständig und trifft für Patienten mit neurologischen Störungen, wie  Wachkoma und Schädel-Hirn-Trauma, in keiner Weise zu.

Hier muss der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten zunächst die Voraussetzung für  verbale Kommunikation erarbeiten. Die therapeutischen Aufgaben der Logopädie liegen in solchen Fällen in der Normalisierung der Atmung als Voraussetzung der Rückkehr zu einer normalen Atem-Sprech-Koordination. Dazu gehört auch der Schutz der unteren Atemwege durch sichere Verschlussmechanismen des Kehlkopfes und funktionierende Schutzreflexe. Dies ist wiederum eng verbunden mit der Wiedererlangung der Fähigkeit des Patienten zur oralen Nahrungsaufnahme auf der Grundlage eines effizienten Schluckablaufs.

Die wichtigsten Therapiemethoden, die bei den zuletzt umrissenen Aufgabengebieten der Logopädie zum Einsatz kommen, sind die Therapie des Facio-Oralen Traktes (F.O.T.T.) sowie die Funktionelle Dysphagietherapie (FDT).

Die F.O.T.T. ist ein auf dem Bobath - Konzept beruhendes Therapieverfahren, das nicht einzelne körperliche odergeistige Defizite des Patienten in den Mittelpunkt stellt, sondern den ganzen Menschen. Es handelt sich folglich um ein interdisziplinäres Konzept mit den Schwerpunkten Atmen, Schlucken, Essen und Trinken, verbale und nonverbale Kommunikation, das zu einer erfolgreichen Umsetzung das Zusammenwirken aller therapeutischen Bereiche mit Ärzten und Pflegern erfordert.

Das Behandlungskonzept der FDT ist problemorientiert. Es stellt bewährte und wirksame Verfahren zur Verfügung, die entsprechen dem Störungsbild und den Bedürfnissen des Patienten ausgewählt und eingesetzt werden. Diese Verfahren zielen auf die Wiederherstellung der gestörten motorischen und sensomotorischen Funktionen des Schluckvorganges und damit zusammenhängender Bewegungen bzw. sie erleichtern dem Patienten die Nahrungsaufnahme und wirken möglichen Aspirationen entgegen.

Was leistet Ergotherapie?

Ergotherapie begleitet, unterstützt und befähigt Menschen jeden Alters, die in ihren alltäglichen Fähigkeiten eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind, für sie bedeutungsvolle Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung und Produktivität, aber auch der Freizeit, in ihrer Umwelt durchführen zu können. Ziel ist es, durch den gezielten Einsatz von Aktivitäten, Betätigung und Umweltanpassung dem Menschen eine größtmögliche Handlungsfähigkeiten im Alltag, Lebensqualität und gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen.“ (Fachverband, www.ergotherapie-dve.de, 2005)

Im Bereich der Neurologie und mit Menschen im Wachkoma ist vorrangiges Ziel die Vigilanzsteigerung (Wachheit). Des Weiteren gilt es, die physischen, psychischen und kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Bei positiver Entwicklung ist es durchaus möglich, den Patienten für ein betreutes Wohnen und ein weitestgehend selbst bestimmtes Leben vorzubereiten und ggf. therapeutisch zu begleiten.

Um dieses Ziel zu erreichen, werden in der Ergotherapie verschiedene Maßnahmen eingesetzt:

Basale Stimmulation
u.a. zur Tonusregulation der Arme, des Rumpfes, Kopf / Hals
Führende Bewegungen nach Affolter
u.a. Verbesserung der Wahrnehmung zwischen Körper und Umwelt
Übungen / Training der Grob- und Feinmotorik
u.a. zur Verbesserung der Greiffunktionen, zur Erweiterung des Bewegungsausmaßes
FOTT(Therapie des fazio-oralen Traktes)
u.a. mundmotorische und taktile Stimmulation, Mundhygiene, insbesondere in Zusammenarbeit mit Logopädie und Pflege
Hilfsmittelversorgung
z.B. Griffverdickungen, Tellerranderhöhungen
Interaktive Gruppen
z.B. Koch- und Frühstücksgruppen
Assistiertes Essen
Speziell auf den jeweiligenPatienten abgestimmte Hilfestellung während des Essens (in enger Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Logopädie, und Pflege

Heinz Kleemann,
Vorstandsmitglied und Gründer
des Therapiezentrums in Rickert und
der Parkklinik Glücksburg
seit 2004 Mitglied im Vorstand unseres Verbandes

 
 

Im Detail

 
  Schritt für Schritt zur Dekanülierung - auch bei Wachkomapatienten
Sprach- und Ergotherapeuten sind zunehmend mit schwer hirngeschädigten Patienten konfrontiert, die nach Langzeitbeatmung mit einer geblockten Trachealkanüle (TK) versorgt sind. Schwere quantitative Bewusstseinsstörungen werden häufig als Kontraindikation für eine Entwöhnung von der TK angesehen - dies muss jedoch nicht sein, wenn der Dekanülierungsversuch in einem klinischen Setting unter entsprechend engmaschigem Monitoring stattfindet. Im Folgenden soll ein Behandlungspfad dargestellt werden, bei dem schrittweise über längere Entblockungszeiten und den Aufsatz eines Sprechventils eine Dekanülierung erreicht werden soll - unabhängig von der Wachheit und dem Kooperationsvermögen des Patienten.

Der Weg nach vorn zu immer weiteren Fortschritten
Wir dürfen nie aufgeben! Jeder, auch noch so kleine Fortschritt kann für den Patienten sehr viel bedeuten und die Qualität seines Lebens wesentlich erhöhen. Sieben Grundsätze bilden die Basis einer erfolgreichen Behandlung. Mit ihnen lässt sich immer wieder zeigen, dass die leider all zu oft wiederholte prognostische Aussage, dass Funktionen und Aktivitäten nur in dem ersten Jahr zu­rückkehren, ganz einfach nicht wahr ist! Sie wirkt vielmehr als eine selbst erfül­lende Prophezeihung, die zum Abbau therapeutischer Maßnahmen führt. Und dann macht der Patient tatsächlich keine Fortschritte mehr.

Ergotherapie bei Menschen im Wachkoma
Gerade auch bei Menschen im Wachkoma ist Ergotherapie ein zentraler Baustein in dem Prozess, mit den verbliebenen Fähigkeiten ein so weit wie möglich selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Es werden die Ziele und Methoden der Ergotherapie vorgestellt.

Logopädie in der Langzeitversorgung von Menschen im Wachkoma
Logopädie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen bei Menschen aller Altersstufen. Auch für Menschen im Wachkoma ist die logopädische Therapie eine notwendige Therapiedisziplin. Häufig wird Logopädie jedoch rein auf die Behandlung der Sprache reduziert. Da für Wachkomapatienten das Sprechen meistens nicht mehr das Mittel zur Kommunikation ist, wird Logopädie häufig nicht verordnet. Logopädie umfasst jedoch eine weitaus größere Bandbreite. Hervorzuheben sind besonders die Beratung, Begleitung und Therapie von Schluckstörungen, die Mundpflege und das Trachealkanülenmanagement.

Musiktherapie als bedürfnisorientieres und kommunikatives Therapieangebot für Menschen nach schweren Schädelhirnverletzungen
Das menschliche Gehirn scheint sich sehr gut mit Musik auszukennen und zu arrangieren. Sie setzt Menschen bewusst oder unbewusst in motorische und emotionale Bewegung, in Anspannung und Entspannung und sie spricht verschiedenste Wahrnehmungsbereiche, Erfahrungen und Bedürfnisse an. Daran lässt sich therapeutisch sehr wirkungsvoll anknüpfen.

Hippotherapie
"Rehaerfolg auf dem Rücken der Pferde" - Eine Einführung in die Hippotherapie

Basale Stimulation in der Pflege
Ich möchte Sie zu einer Begegnung einladen. Ich möchte, Sie verehrte Leserin und Leser, zu einer Begegnung mit Herrn M. und einigen Gedanken einladen.
Wir betreten einen Raum, um mit Herrn M. in Kontakt zu treten. Herr M., Mitte vierzig, sitzt in einem anatomisch geformten Rollstuhl am Fenster. Er wirkt hager, aber nicht dünn, hat blondes Haar, das leicht verschwitzt wirkt und ist mit T-Shirt, Jogginghose und Schuhen bekleidet. Wachkoma, Zustand nach Reanimation, tracheotomiert. Er hält die Augen geöffnet, die Arme sind in Beugespastik angewinkelt, der Oberkörper leicht nach hinten gelehnt.

Prozess-orientierte Komaarbeit
von Peter Ammann, Diplom-Psychologe und Heilpraktiker
Überarbeitete und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und durch praktische Arbeit erprobte Kurzbeschreibung "Prozess-orientierte Komaarbeit" nach Arnold Mindell.
 
 
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Heinz Kleemann
Heinz Kleemann

Heinz Kleemann
hat diesen Beitrag mit Unterstützung seiner Mitarbeitern zusammengestellt. Er ist selbst Therapeut und hat aufgrund eigener Erfahrungen im Jahr 1994 das Therapiezentrum für neurologisch erkrankte Patienten in Rickert gegründet. Sein Ziel war und ist es, den anonymen Klinikbetrieb durch eine menschenwürdige und patientenorientierte Versorgung zu ersetzen.

Therapiezentrum in Rickert
wurde von Heinz Kleemann als Familienbetrieb gegründet und hat seitdem seine besondere Atmoshäre bewahrt.

Heilmittel
Die Notwendigkeit vonTherapien ist von der Sache her eindeutig. Ob sie auch tatsächlich für einen Menschen zur Verfügung stehen und in welchem Umfang, ist von vielen versicherungsrechtlichen und gesetzlichen Detailregelungen abhängig. Darüber informieren wir gesondert.

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