Und wenn es Liebe wäre? - Missbrauch einer Wachkoma-Patientin

Eine Bewohnerin mit schwerer Hirnschädigung wurde in einer Caritas- Einrichtung in Rheinland-Pfalz vergewaltigt und in der Folge schwanger. Ein Fall, der nicht nur die Pflegewelt erschütterte. Für die Wachkoma-Experten Marcello Ciarrettino, Prof. Dr. Andreas Fröhlich und Peter Nydahl war er Anlass, einige Überlegungen zu den Themen Nähe, Sexualität und Missbrauch speziell bei Wachkoma-Patienten zu formulieren.

 
 
Inhaltverzeichnis
Einleitung | Nähe – Liebe – Sexualität | Kann Liebe aus dem Koma erwecken? | Missbrauch – eine juristische Annäherung | Wie kann Prävention aussehen? | Liebe muss sein
 
 
 

Einleitung

 
 

In einer Pressemitteilung des Diözesan-Caritasverbandes Speyer vom 31. März 2010 heißt es: „Die Geschäftsführung des Caritasverbandes für die Diözese Speyer hat am Samstag, dem 27. März, bei der Polizeiinspektion Speyer Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des sexuellen Missbrauchs einer Bewohnerin des Caritas-Altenzentrums St. Bonifatius in Limburgerhof gestellt. Bei der Frau wurde am 26. März eine Schwangerschaft festgestellt.“ Es handelt sich bei der schwangeren Mutter um eine Bewohnerin mit schwerer Hirnschädigung, die seit mehreren Jahren im Wachkoma im Remissionsstadium in dem Heim lebt. Die Schwangerschaft wurde erst durch den gewölbten Bauch bemerkt.

Aktuell teilte die Staatsanwaltschaft mit, ein 35-jähriger Mann soll die 40-jährige Bewohnerin in einem Altenzentrum missbraucht und geschwängert haben. Sein Aufenthaltsort sei unbekannt. Der Mann war von November 2008 bis November 2009 als Pflegehilfskraft im Bereich „Junge Pflege“ in eben diesem Altenzentrum tätig. Er hat laut Arbeitgeber das Dienstverhältnis selbst gekündigt. Der Tatverdächtige soll im Oktober 2009 eine Bewohnerin mit schwerer Hirnschädigung vergewaltigt und geschwängert haben.

Wie konnte so etwas geschehen? Wie kann ein Mann eine so schwer beeinträchtigte Patientin oder Bewohnerin einer Einrichtung derart misshandeln? Ist nun auch Vertrauen in Pflegende nicht mehr möglich? Priester, Lehrer, Heimerzieher, Eltern … – verdienen sie alle kein Vertrauen mehr?

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