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Pflege von Menschen im Wachkoma und mit erworbenen schweren Hirnschädigungen

 
 
Inhaltverzeichnis
Einleitung | Was heißt Langzeitversorung | Der "bewusstlose" Patient und die Auswirkungen auf die Pflege | Emotionale Belastung | Einbeziehung des sozialen Umfelds | Prophylaxen
 
 
 

Emotionale Belastung

 
 

Ein Krankheitsverlauf mit wochenlanger Bewusstlosigkeit ohne sichtbare Besserung, eventuell auch Verschlechterung und Komplikationen, ist sehr belastend für alle Beteiligten. Man fängt an, an dem Sinn des Tuns zu Zweifeln, wird mut­los. Das Ziel der Behandlung und der Pflege ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr klar. Man ist nicht mehr über­zeugt von dem, was man täglich tut.

Auf der Grundlage einer solchen Stimmung wird es sehr, sehr schwer, den Be­troffenen gut zu pflegen.

Als Pflegender muss man sich in dieser Situation „entlastende Hilfe“ holen. In Einrichtungen können das Ge­sprä­che mit Kollegen, Wechsel bei der Versorgung, Team­gespräche und Su­per­vision sein.

Für pflegende Angehörige zu Hause sind solche Möglichkeiten sehr viel einge­schränkter. Durch Gespräche in Selbsthilfegruppen (z.B. Anruf bei unserer Ge­schäftsstelle oder bei Treffen unserer Regionalgruppen) kann gemeinsam ein Ent­lastungsplan erarbeitet werden.

Sich durch Hilfe neuen Mut und neue Kraft zu holen und diese Hilfe auch systematisch zu organisieren, ist auch deshalb so wichtig, weil sich Resignation unbewusst auf die Aktivität der Pflegeper­son auswirkt und damit negative Aus­wir­kung auf die Entwicklung des Be­troffenen hat.

Aktivierende Pflege fängt damit an, dass wir bei jeder pflegerischen Tä­tig­keit den Menschen mit seinen Möglichkeiten sehen, seine vorhandenen Ressourcen nutzen, ihn mit Namen an­sprechen, ihn positiv mit einbeziehen, mit Phan­tasie und Kreativität ver­suchen herauszufinden, was dem Betroffenen ge­fällt und nicht ge­fällt, was ihn entspannt oder verkrampft, wie wir ihn fördern und unterstützen können. Das erfordert unabdingbar eine positive, zugewandte, und zuver­sichtliche Grundstimmung. Bereits W. Gobiet macht in seinem Buch von 1977 über die „Intensivtherapie nach Schädel-Hirn Trauma“ deutlich, welch große Verantwortung für die weitere Besserung alle Betreuenden mittra­gen. Er schreibt: „Es hängt im wesentlichen von der Zugewandt­heit, Auf­geschlossenheit, Zuversichtlichkeit sowie dem persönlichen Ein­satz der Verantwortlichen ab, inwieweit ein Patient in diesem Sta­dium Fort­schritte machen kann. Jede Resignation wirkt sich, bewusst oder un­bewusst, auf die Aktivität des Betreuers aus und hat damit negative Ein­wir­kungen auf die Entwicklung des Patienten.“ 1 Auch uns Pflegenden muss die Hoffnung er­wachsen auf mög­liche Besserung, oder die Kraft zur Begleitung zu einem friedlichen Ende.


1Wolfgang Gobiet (1977): Intensivtherapie nach Schädel-Hirn Trauma. Springer-Verlag, S. 157

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Siehe auch

  
  

Regine Straß
Regine Straß

Die Autorin Regine Straß war u.a. langjährig tätig als Stationsleitung der Intensivstation der neurochirur-gischen Universitätsklinik Erlangen

Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung
in der Pflege, eine Initiative zur Entwicklung konkreter Standards für verschiedene Bereiche der Pflege

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe
widmet sich nicht nur der beruflichen Interessensvertretung, sondern setzt sich auch für die Schaffung der Voraussetzungen für eine menschliche und qualitativ gute Pflege ein.

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