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Konzept und Philosophie der Frührehabilitation

Was ist das Besondere an der Frührehabilitation, das sie von der Akutmedizin unterscheidet, obwohl in dieser frühen Phase die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Akutmedizin gegeben sein müssen?

 
 
Inhaltverzeichnis
Das Konzept | Integrative Behandlung im Team | Für wen ist Frührehabilitation sinnvoll? | Ausblick auf die Zukunft der Frührehabilitation | Anhang: Literaturangaben
 
 
 

Das Konzept

 
  Der wesentliche Unterschied ist die gegenüber der Akutmedizin qualitativ andere Denk- und Herangehensweise.

Das 2001 in Kraft getretene SGB IX hat zwar einen Paradigmenwechsel in der Medizin eingeleitet, indem es vorgibt, dass Selbstbestimmung und Teilhabe grundlegendes Prinzip auch für die kurative Medizin sein sollen.

Gleichzeitig haben jedoch Vorbereitung und Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRGs) dazu geführt, dass im Akutkrankenhaus streng indikations- und diagnosebezogen therapiert wird und die ganzheitliche medizinische Betreuung mehr und mehr zurückgedrängt wird.

Es wird daher noch für lange Zeit gelten, dass die Akutmedizin und somit die Akutklinik in ihrer Strategie kurativ und ihrem Denken kausal, d.h. symptom- und defektorientiert ausgerichtet ist. Ihr Ziel ist es, Krankheitssymptome zu beheben, d.h. verkürzt gesagt, Negativa abzubauen. Als Betroffener steht ihr gegenüber der leidende Patient, der passiv ist und behandelt wird.

Die Rehabilitationsmedizin und somit die Frühreha-Abteilung ist demgegenüber in ihrer Strategie rehabilitativ, in ihrem Denken final, d.h. orientiert am verbliebenen Fähigkeitsprofil, dem gegebenen individuellen Rehabilitations-Potential, der Prognose wiederzugewinnender Möglichkeiten. Sie ist verkürzt gesagt ziel- und zukunftsorientiert und bestrebt, Positiva auszubauen. Der Betroffene ist der Rehabilitand, der bereits wieder aktiv ist oder es so rasch wie möglich wieder werden sollte. Er ist nicht Objekt unserer rehabilitativen Bemühungen, sondern Subjekt seiner eigenen Rehabilitation, an der er seinem jeweiligen Entwicklungs- und Rehabilitationsstand entsprechend handelnd beteiligt ist.

Auch der noch apallische Mensch handelt. Unsere Aufgabe ist es, seine Aktionen und seine Sprache verstehen zu lernen und mit ihm auf dieser Ebene zu kommunizieren, solange er unsere gängige Umgangssprache noch nicht wieder beherrscht.

Die offizielle Definition, z.B. im Memorandum des Kuratoriums ZNS von 1991, erklärt diesen Unterschied zur Akutmedizin nicht hinreichend. Sie enthält jedoch die für die Frührehabilitation essentiellen Begriffe. Es heißt dort: „Frührehabilitation ist integrierte, den Patienten frühzeitig und nahtlos begleitende interdisziplinäre Therapie mit wechselnden Schwerpunkten“.

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