Akutfall - was tun?

Angehörige eines Patienten mit einer schweren Schädel-Hirn­ver­letzung oder einer anderen schweren Schädigung des Gehirns geraten in eine völlig neue Lebenssituation und es sind innerhalb kürzester Zeit völlig neue Aufgaben zu bewältigen. Es sind weit­reichende Ent­schei­dungen über Dinge zu treffen, die bis zu diesem Zeitpunkt un­bekannt waren. Die folgenden Infor­ma­tio­nen geben einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen.

Patienten mit einer schweren Schädel-Hirnverletzung oder -schädigung wer­den nach dem Eintritt des Ereignisses und nach der Erstversorgung (OP oder Wiederbelebung) zumeist auf einer Intensivstation versorgt. Auf Angehörige oder Menschen, die sich um den Patienten kümmern, kommen noch in dieser Zeit im Prinzip folgende Aufgaben zu.

  • Sie müssen die Verletzung und deren Folgen verstehen, um für die anstehenden Entscheidungen gerüstet zu sein.

  • Sie sind die wichtigste Bezugsperson für den Verletzten, ihre persön­liche Zuwendung wird den Verlauf wesentlich beein­flussen.

  • Sie müssen frühzeitig Weichen für die anschließende Versor­gung stel­len, obwohl der Ausgang der Erkrankung noch nicht absehbar ist.

Viele Angehörige werden immer wieder davon überrascht, wie schnell sich die Dinge entwickeln können. Auch wenn am Anfang die Zeit stehen zu bleiben scheint, sobald erste Besserungen eintreten und der Patient sich stabilisiert, sind innerhalb kürzester Zeit jede Menge Entscheidungen zu treffen.

Sie sollten in jedem Fall frühzeitig die persönliche Unterstützung durch Fachleute und Selbsthilfegruppen suchen!

Im Detail

  • Akutereignis - Ein Leitfaden für Angehörige
    Der Leitfaden informiert Angehörige, wie sich die Dinge typi­scher­weise weiter entwickeln, was auf sie zukommt, worauf sie achten sollten und was sie selbst zu einem positiven Verlauf bei­tragen können. Wir haben Punkte zusammengestellt, die typisch für viele Fälle sind.
  • Rechtliche Betreuung – rechtzeitig einleiten
    Menschen im Koma oder Wachkoma können weder Entscheidungen tref­fen noch Maßnahmen zustimmen oder ablehnen. Sie bedürfen eines Dritten, der an ihrer Stelle handelt und ihre Interessen vertritt. Das ist die Aufgabe eines vom Gericht eingesetzten recht­lichen Betreuers, vorrangig ein Familienmitglied oder Lebens­gefährte.
  • Ein schwerer Unfall - wie kann es weitergehen?
    Seit vielen Jahren betreue ich neben den frühkindlich hirnge­schädig­ten Patienten auch Kinder und Jugendliche, die nach einem akuten Er­eignis, z.B. Schädel-Hirn-Trauma bei Ver­kehrs­un­fällen, Ertrin­kungs­unfällen, Hirnent­zün­dun­gen usw., eine schwere Hirnschädigung erlitten haben. Dabei liegt der Schwer­punkt unserer Betreuung bei der Frührehabilitation; sie kann nur im Team ge­leistet werden ( dieses Team meine ich, wenn ich im folgenden „wir“ schreibe ). Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass Eltern betroffener Kinder sehr hilflos sind, da sie unverhofft in diese überaus schwierige Situation ge­raten. Um dem Infor­mations­mangel abzu­hel­fen und die Behandlungs- und Rehabilitationsplanung zu erleichtern, habe ich einen Elternbrief geschrieben.
  • Formen der stationären Versorgung in einer Pflegeeinrichtung
    Art und Weise der stationären Versorgung in Pflegeheimen ist grund­sätzlich bundesweit in Sozialgesetzbuch geregelt. Die Details der Ausge­staltung ist aber Sache der Länder und damit jeweils unterschiedlich. Dennoch kann man drei Formen der Versorgung unterscheiden, die kurz beschrieben und gegeneinander abgewogen werden.